Isabel Grübl singt ein beindruckendes Programm mit Komponistinnen aus drei Jahrhunderten im Münchner Orff-Zentrum
Von Mendelssohn gelobt
Von Robert Jungwirth
(München, 21. Mai 2026) Es ist schon fast ein Alleinstellungsmerkmal des Orff-Zentrums in München, in dieser musikliebenden Stadt Programme anzubieten, die andernorts als zu wenig mainstreamig nicht in Frage kommen. Wo sonst könnte eine junge, aufstrebende Sängerin einen Liederabend mit unbekannten Werken von unbekannten Komponistinnen aus drei Jahrhunderten präsentieren? Wir geben lieber keine Prognose ab.
Isabel Grübl ist zwar noch im Meisterklassenstudium in Würzburg zu Gange, das hindert sie aber keineswegs daran, sich bereits mit eigenen Liederprogrammen hervorzutun. Und das eben nicht mit sattsam bekanntem Liedgut und Arien, sondern mit einem selbst zusammengestellten und aufwendig recherchierten Programm mit Werken von Komponistinnen, deren Namen man noch nicht einmal kennt. Zudem kann die Mezzospranistin auch bereits einige Wettbewerbspreise vorweisen, darunter den Gewinn des Internationalen Carl-Orff-Gesangswettbewerbs.
Letzterer brachte ihr auch die Einladung zu diesem Konzert im Orff-Zentrum ein.
Man kann diesen Liederabend nicht anders als eine große Entdeckung bezeichnen und das in mehrfacher Hinsicht. Wer hat je etwas von der Komponistin Josephine Lang gehört? Eine Musikerin, die sogar von Mendelssohn für ihre Lieder gelobt wurde. Was die aus München stammende Komponistin aus Goethes „Mailied“ oder dem „Scheideblick“ von Lenau machte, welch beredten Tiefgang und musikalische Facetten sie hier offenbart, mit einem Tonfall, der nah an Schumann ist, ohne diesen zu kopieren, das ist schlichtweg faszinierend. Und Isabel Grübl lässt diese Musik mit ihrem volltönenden, dabei aber jederzeit schlank geführten Mezzo in schönstem Pathos erblühen.
Eine hochtalentierte Komponistin war auch Margarete Schweikert (1887-1957), deren Vertonung von Goethes „Es war einma ein König“ viel musikalischen Witz enthält. Dabei ist ihre Musiksprache allerdings deutlich rückwärts gewandt. Noch interessanter ist die Musik von Luise Greger (1861–1944), deren Vertonung von Goethes „Rastlose Liebe“ und noch mehr „Schließe mir die Augen beide“ von Storm herrlich brahmsich tiefschürfend ist.
Dazu kombinierte Isabel Grübl diese Wekrke noch mit frühen Liedern Carl Orffs und drei Komponistinnen unserer Gegenwart wie Helen Grime, Annlies Van Parys und Cheryl Frances-Hoad. Es ist hier nicht der Platz über alle Stücke im Detail zu schreiben, in jedem Fall war die pausenlose Abfolge und Mischung von Werken des 19. und 20. bzw. 21. Jahrhundert in ihren spannenden Kontrasten von großer Faszinationskraft.
Und nicht zu vergessen ist auch Isabel Grübls Begleiter eine Entdeckung: Der aus Paris stammende Lucca Verdi lässt die Musik und deren sprachlichen Duktus seinerseits sprechen, sein Anschlag ist stupend, sein stilistisches Feingefühl hervorragend.
Man kann den beiden nur viel Erfolg und interessierte und mutige Konzertveranstalter wünschen, die ihrem Publikum zu überraschenden und faszinierenden Entdeckungen verhelfen…

