Dr. Thomas Rösch und Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Maier, Symposium: Zum Werk Hans Maiers, 23. Juni 2016
© Orff-Zentrum München, Jan Adamiak

Das Orff-Zentrum München trauert um Hans Maier (1931–2026)

Mit großer Trauer nimmt das Orff-Zentrum Abschied von Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Maier, dem langjährigen Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, herausragenden Politikwissenschaftler, Publizisten und engagierten Gestalter des geistigen und kulturellen Lebens in Deutschland. Hans Maier verstarb am Montag im Alter von 94 Jahren in München.

Mit seiner Berufung auf den Lehrstuhl für Politische Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Jahr 1962 begann eine wissenschaftliche Laufbahn, die weit über die Grenzen seines Fachs hinauswirkte. Als stellvertretender Vorsitzender der Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates prägte er zwischen 1966 und 1970 maßgeblich die bildungspolitischen Reformdebatten der Bundesrepublik. Ende 1970 übernahm Hans Maier das Amt des Bayerischen Staatsministers für Unterricht und Kultus, das er über sechzehn Jahre hinweg mit außergewöhnlicher Sachkenntnis, intellektueller Weitsicht und großem Verantwortungsbewusstsein ausübte.

Auch über seine politischen Ämter hinaus engagierte sich Hans Maier in vielfältiger Weise für Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft. Als Präsident des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz sowie des Zentralkomitees der deutschen Katholiken setzte er nachhaltige Impulse für den Erhalt des kulturellen Erbes und die Förderung des gesellschaftlichen Dialogs. Seine Wahl in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sowie später in die Bayerische Akademie der Wissenschaften würdigte seine herausragenden Beiträge zum geistigen Leben Deutschlands.

Von 1978 bis 1987 gehörte Hans Maier dem Bayerischen Landtag als Mitglied der CSU-Fraktion an. Nach seinem Ausscheiden aus der Staatsregierung kehrte er an die Ludwig-Maximilians-Universität zurück und übernahm den renommierten Guardini-Lehrstuhl für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1999 innehatte. In Forschung, Lehre und Publizistik blieb er über Jahrzehnte eine prägende Stimme im Spannungsfeld von Politik, Religion und Kultur.

Für seine außerordentlichen Verdienste um Staat und Gesellschaft wurde Hans Maier mit zahlreichen hohen Auszeichnungen geehrt, darunter dem Bayerischen Verfassungsorden, dem Bayerischen Verdienstorden, dem Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst sowie dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland.

Bis zuletzt verfolgte Hans Maier die Entwicklungen in Wissenschaft, Zeitgeschichte und Politik mit ungebrochener Aufmerksamkeit und intellektueller Neugier. Als überzeugter Vertreter der christlichen Demokratie und als einer der bedeutenden katholischen Intellektuellen seiner Generation blieb er ein gefragter Gesprächspartner und inspirierender Impulsgeber.

Dem Orff-Zentrum München war Hans Maier in besonderer Weise verbunden. Als letzter Gründungsherausgeber der Internationalen Katholischen Zeitschrift COMMUNIO organisierte er die regelmäßigen Herausgebersitzungen in unserem Haus. Sein Wirken, seine geistige Präsenz und seine persönliche Verbundenheit mit dem Orff-Zentrum werden über die Zeit hinaus nachwirken und in lebendiger Erinnerung fortbestehen.

Das Orff-Zentrum München verneigt sich in Dankbarkeit vor einer herausragenden Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie sowie bei allen, die ihm freundschaftlich, wissenschaftlich oder persönlich verbunden waren.