Ein Sommernachtstraum

Schauspiel von William Shakespeare

nach der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel eingerichtet von Carl Orff (1917/1962)

(dt.)

Spieldauer: 125 Minuten

Uraufführung der endgültigen Fassung: 12. März 1964 in Stuttgart (Deutschland) – Dirigent: Klaus Nagora – Regie: Dietrich Haugk – Bühnenbild: Roman Weyl

Inhalt

Mitten in die Hochzeitsvorbereitungen von Herzog Theseus platzt der Athener Egeus; hinter sich her zerrt er seine Tochter Hermia. Diese weigert sich, den vom Vater vorgesehenen Demetrius zu heiraten, riskiert hierfür Kopf und Kragen: Im Fall einer definitiven Weigerung droht ihr nämlich lebenslang die Klosterzelle – so der Urteilsspruch des Herzogs.

In höchster Verzweiflung stimmt Hermia der Idee des heißgeliebten Lysander zu, nachts mit ihm zu fliehen. Einzige Mitwisserin dieses Plans ist Hermias Freundin Helena, ehemals Braut von Demetrius. Voller Hoffnung, Demetrius damit zurückzugewinnen, verrät sie diesem den Fluchtplan des Liebespaares. Aber Helenas Wunschtraum zerbricht: Demetrius kehrt nicht wieder in ihre Arme zurück, sondern beschließt, das flüchtende Paar zu verfolgen.

Mit Einbruch der Nacht stolpern die beiden Paare in den Athener Forst. Bald jedoch gibt es weitere Gäste: Handwerker treffen sich, um ein Theaterstück für die Hochzeit des Herzogs einzustudieren, und da schwirrt auch noch Elfenkönig Oberon umher, schnaubend über seine Gattin Titania – weigert sich die Elfenkönigin doch vehement, dem Gatten ihren indischen Lieblingsknaben abzutreten.

Unwissentliche werden die vier Athener und die Handwerksburschen in den Rosenkrieg des Elfenpaars hineingezogen. Ein gutes Stück trägt freilich Oberons Diener Droll dazu bei, wirbelt er doch regelmäßig die Aufträge seines Herrn durcheinander. Und so hat Oberon alle Hände voll zu tun, damit sich am Ende die rechten Paare finden, die kopflos gewordenen Handwerker ihr Theaterstück in Ruhe proben können und er selbst mit seiner Gattin wieder Frieden geschlossen hat.

Zur finalen Hochzeit des Herzogspaares, der sich die vier frischgebackenen Brautleute mit ihrem Jawort anschließen, stellen sich auch die Handwerker mit ihrem Theaterstück ein. Und Schlag Mitternacht huscht selbst Oberon herbei, den jungen Paaren unbemerkt seine Glückwünsche zu überbringen.

Anmerkung

Shakespeares Gedanken- und Szenengut blitzt in zahlreichen Facetten von Orffs Werk auf, sei es in den vier Burschen des Monds, in den Strolchen der Klugen, in der Hexenszene der Bernauerin oder in den Soldatensequenzen des Osterspiels (um nur einige Beispiele zu nennen).

Zeitlebens hat der Komponist sich mit dem englischen Dichter befasst, vor allem mit dessen Ein Sommernachtstraum. Bei seiner Beschäftigung mit diesem Werk ging es Orff von Anfang an vornehmlich darum, das Abgründige in Shakespeares Dichtung wieder stärker hervorzuheben. Nur ein einfaches Simultanspielgerüst sollte Spielfläche sein, die Musiker zum Teil auf der Bühne platziert und ins Spielgeschehen einbezogen sowie dem klangvollen Shakespeare-Wort Primat vor der Musik gelassen werden. Orff sah in diesem Werk weniger eine romantische Traumwelt als vielmehr eine Welt, in der elementare Kräfte regieren – also letztlich ein gefährliches marivauxsches Spiel von der Macht des Eros.

Die Musik soll dabei Akzente setzen, das Bühnengeschehen kraftvoll kolorieren, Stichworte bzw. -klänge geben, Raum schaffen für Bewegung, also den Handlungsimpuls für die Darsteller in sich tragen.

Besetzung

Personen (Schauspieler): Theseus, Herzog von Athen – Egeus, Vater der Hermia – Lysander, Liebhaber der Hermia – Demetrius, Liebhaber der Hermia – Philostrat, Aufseher der Lustbarkeiten am Hofe des Theseus – Squenz, der Zimmermann – Schnock, der Schreiner – Zettel, der Weber – Flaut, der Bälgenflicker – Schnauz, der Kesselflicker – Schlucker, der Schneider – Hippolyta, Königin der Amazonen, mit Theseus verlobt – Hermia, Tochter des Egeus, in Lysander verliebt – Helena, in Demetrius verliebt – Oberon, König der Elfen – Titania, Königin der Elfen– Droll, ein Elf – Bohnenblüte, Spinnweb, Motte, Senfsamen, Elfen – Pyramus, Thisbe, Wand, Mondschein, Löwe (Rollen in dem Zwischenspiel, das von den Rüpeln dargestellt wird) – Andere Elfen im Gefolge des Königs und der Königin – Gefolge des Theseus und der Hippolyta – Musikanten

Orchester vor der Bühne (nach Möglichkeit verdeckt): 3 (alle auch Picc.) · 0 · 2 (1. auch Es-Klar., 2. auch Bassklar.) · 0 – 3 · 0 · 0 · 0 – P. S. (Glsp. · Crot. · Xyl. · Bassxyl. · Marimba · Metallophon · Gläserspiel · Röhrengl. · Trgl. · Beckenpaar · hg. Beck. · Tamt. · Tamb. · 2 Bong. · kl. Tr. · gr. Tr. · 3 Holzbl. · Angklung · Bambusstäbe · Guiro · Rassel · Peitsche) (4-5 Spieler) – Hfe. · Cel. · Klav. (auch 4hd.) · Org. – Str. (6 · 0 · 3 · 3 · 3)

Orchester auf der Bühne (teilweise auch hinter der Bühne oder auf Tonband): 3 Tr. – Rüpelorchester: 2 Klar. in C·  2 Tr. · Pos · S. (kl. Tr. · gr. Tr. · Beck.) · 1 Kb.

Hinter der Bühne: Schlitztr. · gr. Muschelhr. · Windmasch.

Teilweise ad. lib. auf Tonband: Kinder-, Frauen- und Männerstimmen · Chor – 3 Picc. – P. S. (Glsp. · Crot. · Xyl. · Bassxyl. · Marimba · Glasglockenspiel · Trgl. · Beck. · Tamt. · Tamb. · Sistrum · Bong. · 3 Holzbl. · Angklung · Bambusstäbe) – Cemb. · Klav. · Org. · Handharm. – Kb.

 

Aufführungsmaterial