Comoedia de Christi Resurrectione

Ein Osterspiel (1955)

Libretto vom Komponisten

(dt., altgr., lat.)

Spieldauer: 40 Minuten

Uraufführung/Erstsendung: 31. März 1956 im Bayerischen Fernsehen München (Deutschland) – Dirigent: Karl List – Regie: Gustav Rudolf Sellner – Szenenbild: Franz Mertz

Bühnenuraufführung: 21. April 1957 in Stuttgart (Deutschland) – Dirigent: Hans Mende – Regie: Wieland Wagner – Bühnenbild: Wieland Wagner

Inhalt

Am Grabe Christi beklagen Frauen den Toten. Eine geheimnisvolle irdische Stimme spricht ihnen Hoffnung zu, ein Engelschor gemahnt an die Grabesruhe.

Sechs Soldaten halten nachts bei der Begräbnisstätte Wacht, ausgehorcht vom Teufel, der auf der Grabplatte lauert. Die Männer schwatzen übers Wetter, schwadronieren über Gott und die Welt und sprechen nicht zuletzt über den Verstorbenen: Die hiesige Ordnung hat er ganz schön durcheinandergewirbelt! Ging da nicht sogar die Rede, er werde nach drei Tagen von den Toten auferstehen? Und überhaupt: Wer ist eigentlich dieser spendable Geschwänzte, der auf dem Grab hockt und anscheinend schläft? Ein Trauernder? Und warum werden sie auf einmal so müde?

Kaum, dass die Wachposten eingenickt sind, versiegelt der Teufel mithilfe eines Zaubersteins das Grab: Christus darf unter keinen Umständen durch seine Auferstehung den Tod besiegen! Rasch zieht sich der »Gottseibeiuns« zurück, als die sechsköpfige Wachablösung antritt. Die Soldaten beäugen den Bocksbeinigen ebenfalls recht misstrauisch, kuschen aber, als er auch ihnen Geld zuschanzt. Das Gespräch kommt natürlich sofort auf den Toten. Ein Wundertäter sei er gewesen! Wohl eher ein Aufrührer! Egal – die alte Wache zieht ab, nicht ohne die neue augenzwinkernd anzuweisen, den Toten ja nicht entwischen zu lassen.

Die neue Wache landet rasch bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: dem Kartenspiel. Und da freilich juckts den »Sparifankerl« in den Fingern! Flugs mischt er mit, verlässt dafür sogar die heikle Grabplatte; aber die Soldaten hauen ihn übers Ohr. Soweit nehmen sie ihn aus, dass er zuletzt sogar um seinen blinkenden Zauberstein spielen muss. Den lässt er sich aber nicht abluchsen: In dieser Spielrunde gewinnt er die Seelen der Wächter, und in einem begeisterten Aufschrei plärrt er sein »Gewunnen!!«

Aber Pech gehabt! Vor lauter Spielfieber hat er seine Grabwacht so außer Acht gelassen, dass ihn die von Engeln bejubelte Auferstehung Christi überrumpelt. Dermaßen wütend ist der Teufel darüber, dass er sich sogar den Schwanz abhackt.

Anmerkung

Nach dem Erfolg der Weihnachtsgeschichte wurde an Orff der Wunsch nach einem Osterspiel herangetragen. Zwar vom Fernsehen in Auftrag gegeben, entwarf der Komponist das Werk gleichwohl für eine Theaterrealisierung. Mithin verwundert es nicht, dass diese Comoedia bereits ein Jahr nach der Fernsehpremiere auf die Bühne kam. Hatte aber der Film die Reduktion zum stilbildenden Prinzip erhoben, arbeitete Wieland Wagners Bühneninszenierung ebenso erfolgreich mit den Mitteln sinnlicher Opulenz: Das Szenenbild stellte ein bayrisch-barockes Heiliges Grab dar, in seiner Gestaltung Orffs Welttheatergedanken aufgreifend.

Im Sinne eines Welttheaters vereint das Werk auch verschiedene Sprachen, von Orff unterschiedlichen Figurengruppen zugeordnet: den Wachtsoldaten Bayerisch, dem Teufel Bayerisch und Latein, den Engelschören Latein sowie den Klageweibern Latein und Griechisch.

Zusätzlich zum Element des Grablegungs- und Auferstehungsritus verarbeitet Orff in seinem Werk Versatzstücke mittelalterlicher Mysterienspiele: die einleitenden Silentium-Rufe etwa lassen eine Zeit anklingen, als noch kein Öffnen eines Vorhangs die Aufmerksamkeit auf das Bühnengeschehen lenkte. Und nicht zuletzt greift auch die Verwendung des Teufels eine mittelalterliche Tradition auf; diese differenziert Orff allerdings weitreichend: Sein »Gottseibeiuns« zeigt individuellere, dämonischere Züge.

Besetzung

Personen (Schauspieler): Der Teufel – Die erste Wacht: sechs Soldaten – Die zweite Wacht: sechs andere Soldaten

Personen (Sänger): Vox mundana · Sopran – Vox luctuosa · Bass-Solo – Chorus mulierum lugentium · Altstimmen – Chorus angelorum (im Prooemium) · Knabenstimmen – Chorus angelorum (im Schluss-Hymnus »Christ ist erstanden«) · Knabenstimmen und gemischter Chor – Anachoretae (im Schluss-Hymnus »Christ ist erstanden«) · Kleiner Männerchor

Orchester: P. S. (2 Glsp. · Crot. · Xyl. · Bassxyl. · Marimba · Röhrengl. · Trgl. · Beck. · Tamt. · gr. Tr. · Steinspiel · Guiro · 2 Doppelratschen · Schlagkiste) – 2 Hfn. · 3 Klav. · Org. – 4 Kb.

 

Aufführungsmaterial